Symbole als Dolmetscher
Die Arbeit mit Symbolen als Interventionen in Therapie, Beratung und Begleitung von Teams
Wilfried Schneider
„Die Welt ist wie ein Wald voller Zeichen, die gedeutet werden wollen“ so Umberto Eco, 1932.
Wir können Menschen durch Symbole eine Sprache geben, wenn ihnen die Worte fehlen. Symbole können zum Dolmetscher werden.
Bei der Lösung schwieriger Lebenssituationen beginnt alles mit den Fragen:
Was ist das Problem?
Was soll anders sein?
Wie soll es sein?
Wie komme ich dorthin?
Wer kann das in Krisen schon so genau benennen? Damit verbundene Gefühle spüren, akzeptieren, ordnen? Das scheint den Betroffenen oft schwer, unmöglich. Insbesondere dann, wenn
- auslösende Ereignisse weit zurückliegen (z. B. Frühe Störungen),
- Erlebnisse traumatisiert sind (z. B. Missbrauch, Schock),
- ein emotionales Black out vorhanden ist,
- Ereignisse nicht in den Zusammenhang mit der Störung gestellt werden können oder
dürfen (zum Beispiel seit Geburt an problematische Familienverhältnisse),
- eine Summe von auslösenden Faktoren vorliegt, die nicht in Zusammenhang gebracht
werden können.
- sie sich psychisch in schwierigsten Lebenssituationen befinden.
- etwas gesagt wird, was emotional nicht nachempfunden (z. B. Migranten) wird,
- „sprachlos“ gewordenen Menschen, denen die Zukunftsperspektive fehlt.
- Menschen mit einen Handicap nicht oder nicht vollständig verstanden werden oder
ihnen nicht zu Ende zugehört wird (Autisten, sprachbehinderte Menschen, geistig
behinderte Menschen...)
Der Klient kann die Frage ”Was ist das Problem?” dann kaum beantworten.
Erich Kästner schreibt in Als ich ein kleiner Junge war (Atrium 1957) ”Mit Worten kann man nicht einmal einen Stuhl so genau beschreiben, dass ihn der Tischlermeister Kunze in seiner Werkstatt nachbauen könnte”.
Wer sich nicht ausreichend Mühe gibt, eine prozeßhafte Diagnose zu erstellen, der behandelt etwas, was nicht definiert ist. Hier beginnt dann schnell ein nicht zielführendes verbales, sich oft über viele Sitzungen fortsetzendes Pingpong-Spiel. Mindestens eine der folgenden Aussagen trifft dann zu:
Die beste Möglichkeit nichts zu sagen, ist die Sprache.
- Wenn etwas verborgen bleiben soll, dann rede möglichst viel.
- Durch sprachliche Halbherzigkeiten muss man sich nicht festlegen.
- Wenn Worte der Tat nicht nah sind, werden großartige Ankündigungen gemacht, „dass es morgen endlich und endgültig losgeht“. Mich interessiert nicht, was Du sagst und ankündigst. Mich interessiert ausschließlich, was Du tust oder unterlässt.
- Sprache ist oft eine Veranstaltung zur wechselseitigen Behinderung, wirkt oft wie ein Kampf, bei dem es ums gewinnen geht.
- Was Du sagst, ist richtig. Das Gegenteil auch.
- Sprache wird zur Ablenkung vom Problem und zur Erhaltung des Status quo benutzt.
- Über Sprache wird auf Nebenskriegsschauplätze geführt. Nebelbomben und andere Techniken der Ablenkung werden eingesetzt. So werden unbewusste Inhalte und damit verbundene Informationen aufrecht erhalten, die nur der sprachlichen Gewandtheit des Klienten dienen.
- Sprache ist Futter, Peitsche oder der Honigquast für den Partner, Kollegen, Therapeuten oder für wen auch immer.
- Destruktive Diskussionen, die nicht zu Erkenntnissen und Lösungen führen. Zum Beispiel: Wer hat Schuld? Das sind Diskussionen, die in der Vergangenheit stecken bleiben.
Der Boden, auf dem das gelingen kann, ist, dem Menschen alle Wertschätzung zu geben und bereit und fähig sein, ihn wirklich wahr zu nehmen. Es ist alles schon da, du musst es nur finden, also wahr
nehmen. Das heißt, das Gegenüber zeigt alles. Oft auch dadurch, dass er versucht, etwas nicht zu zeigen.
Dabei gilt es, auf die unzähligen schnellen, flüchtigen Augenblicke und Zwischentöne zu achten, sie wahrzunehmen, zu verstehen und schließlich für Lösungen zu nutzen.
Selbstverständlich kommen wir nicht ohne Sprache aus. Wo Sprache jedoch zu verbergen versucht, können die therapeutischen Etappenziele wie folgt beschrieben werden: „Das wichtigste, das ich tue oder das ich mir einbilde zu tun, besteht darin, den Nebel oder Schleier von der Sprache zu entfernen“ (Berkeley). Kreative Medien können dabei eine entscheidende Hilfe sein.
Zeit und wer soll wen verstehen?
Allen Arbeiten mit Symbolen ist gemeinsam, möglichst schnell auf den Punkt zu kommen, ohne emotional zu überfordern. Und trotzdem geben sie dem Klienten die Möglichkeit, das Tempo in der Beratung und Therapie zu bestimmen.
Der Klient beginnt, sich selbst durch eigenes Tun besser und emotional zu begreifen. So ist auch die Chance gegeben, dass das Gegenüber, zum Beispiel der Therapeut, ihn versteht. Der Klient gewinnt in der Arbeit Sicherheit durch die
- Struktur, die Symbolarbeiten anbieten und durch
- die Erfahrung, dass er selbst der Aktive sein kann.
So kommt es in der Regel auch nicht zu den sonst oft sehr frühen Problemfestlegungen durch den Therapeuten.
Schließlich ergibt dieser Weg der Arbeit einen erheblichen Zeitgewinn, der dann für Lösungen benutzt wird. Es geling, erheblich schnell auf den Punkt zu kommen.
Und schließlich bieten die Therapiematerialien auch dem Therapeuten Sicherheit, Orientierung und Struktur.